Heute ist Montag und "Bank Holiday" (Feiertag).
Es ist ausserdem Ende August und somit Zeit fuer den "Notting Hill Carnival" welcher jedes Jahr um diese Zeit stattfindet.
"Every spectator is a participant" - Jeder Zuschauer ist gleichzeitig auch Teilnehmer. Unter diesem Motto findet jährlich im noblen Stadtteil Londons Notting Hill, der spätestens seit dem gleichnamigen Film jedem ein Begriff ist, der größte Karneval seiner Art in Europa statt. Erstmals vor 38 Jahren als Volksfest der Einwanderer aus der Karibik zum Abbau der Rassenspannungen im Viertel gefeiert, ist der Karneval heute ein großes, multikulturelles Fest.
Ganz Notting Hill ist in dieser Zeit eine einzige Party – es wird zu Calypso getanzt und gefeiert und zahllose Steelbands und Kostümbands ziehen in buntem, fantasievollem, karibischem Stil an den Tausenden von Schaulustigen vorbei. Anders als die Love-Parade in Berlin hat der Notting Hill Karneval kein eindeutiges Zentrum und verteilt sich auf ein gesamtes Stadtviertel, so dass auch bei zwei Millionen Besuchern das Gedränge erträglich bleibt. Damit gilt der Notting Hill Karneval als das größte Straßenfest Europas.

Bereits am Samstag war ich in Central London unterwegs und wir haben uns u.a. eines meiner absoluten Lieblingsstuecke im Londoner West End angesehen:
The Woman In White

An diesem Tag ist mir einiges aufgefallen und ich muss dazu sagen, es kam mir gleichzeitig in den Sinn dass es genau zwei Tage vor den Terroranschlaegen gewesen ist, als ich das letzte Mal in diesem Theater war.
Wir wurden kontrolliert. Wir mussten unsere Taschen oeffnen und in der Pause ebenfalls unsere Eintrittskarten vorlegen, was vorher bisher in dieser Form noch nie abgelaufen ist. Zusaetzlich kam am Ende des ersten Akts eine fast schon bedrohlich klingende Durchsage man solle doch seine Sachen bei sich und nicht unbeaufsichtigt lassen (so wie es an den Bahnhoefen immer gemacht wird).
In solchen Situationen wird man wieder daran erinnert dass London nicht mehr das ist was es mal war, obgleich fast alle Leute mit denen ich hier gesprochen habe die Einstellung vertreten London waere nie NICHT gefaehrdet gewesen.
Gerade an diesem Bankholiday Wochenende ist das Sicherheits- und Polizeiaufgebot noch einmal erhoeht worden und man konnte gestern keine zehn Meter weit gehen ohne nicht irgend eine Vertretung der Metropolitan Police zu Gesicht zu bekommen.
Szenerie: Oxford Street in Hoehe John Lewis, Samstag Abend 22.30
Zwei junge Maenner mitte 20 torkeln betrunken und randalierend (d.h. gegen Muelleimer und Schaufenster tretend) die Strasse in Richtung Tottenham Ct Rd entlang. Zwei Minuten spaeter Sirenen und Blaulicht, erst ein Polizeiwagen, dann zwei, dann drei, dann vier und das Resultat des Ganzen: Zwei lallende Halbwuechsige auf dem Hosenboden und gut 13 Polizisten mit schusssicheren Westen und Schlagstoecken um sie herum - erst der eine rein ins Auto und ab ins Gewahrsam, dann der Naechste. Einmal hastig um sich geschaut, Tuer zu und ab - wie im Film.
Man hat dieser Tage das Gefuehl die Polizei in London moechte ihren Buergern zeigen, dass sie praesent sind, dass sie da sind wenn man sie braucht, dass sie alles unter Kontrolle und im Griff haben, egal was geschieht ...

Wenige Minuten spaeter sieht man mitten aus dem aufgesprungenen Bordstein Ladung von Wasser spritzen und in wenigen Sekunden die angrenzende Gassen hinunter schiessen. Nun moechte man zeigen, dass man genauso aufmerksam ist wie die ausfuehrende Gewalt und ruft brav die 999. "Guten Tag" sagt eine Stimme "Notfall- und Rettungsdienst, wuenschen sie Polizei, Feuerwehr oder Rettungswagen" "Feuerwehr, bitte" "Gut, also Rettungswagen" "Nein, Feuerwehr" (ob die Stimme vom Band kommt?) "Feuerwehr gut ich verbinde" ... Die Feuerwehr braucht gut 5 bis 10 Minuten, kurz Situation geschildert (obwohl offensichtlich) und schnell ab zum Bahnhof um den letzten Zug nach Twickenham zu bekommen.